Themenblock 2: Cool, mein Professor bloggt!

Wieso sollten ProfessorInnen bloggen? Beziehungsweise: Wie würde eine Welt aussehen in der jeder Professor bloggt?

Zunächst einmal musste ich bei der Vorstellung etwas schmunzeln. Wenn die Hälfte der Studenten im Seminar es nicht einmal schafft, die vorgegebene Lektüre zu Lesen wieso sollten diese dann Zeit haben einen Blog ihres Professors durch zu schmökern? Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen und macht auch auf den ersten Blick nicht viel Sinn. Außer man erhofft sich bei betreffendem Professor eine Stelle als Doktorand. Manch einer lässt sich von ihren Mitarbeitern, die immer den neusten Eintrag lesen sicherlich etwas bauchmizeln. 😀

Als weiteren Einwand gegen diese Vorstellung spricht sicherlich auch die Angst einiger Dozenten ihre geistigen Inhalte einfach so im Netz zu teilen. Manche meiner Dozenten laden aus gewissen Gründen nicht einmal ihre Vorlesungsfolien ins Internet. Wieso sollten dann grade diese ihre wissenschaftlichen Ergebnisse ungeschützt ihren Lesern vor die Nase werfen?

Auf der anderen Seite kann ich mir durchaus vorstellen, dass der doch manchmal langsame wissenschaftliche Betrieb eindeutig beschleunigt werden kann. Fachliche Diskussionen lassen sich sicherlich wirklich gut über Blogs führen. Argumente können strukturiert verhandelt und veröffentlicht werden. Und dies in einem Tempo das Fachzeitschriften alt aussehen lässt. Auch könnte die Kommunikation mit anderen Wissenschaftlern aber auch Studenten vereinfacht werden. Lästige Emails zu lesen und zu beantworten macht ja keiner gern. Über Blogs zu kommunizieren kann ich mir dagegen wirklich als fast schon entspannend vorstellen. Gerade auch für spannende Diskussionen innerhalb eines Seminars für die oft die Zeit fehlt, wäre der Blog ein guter Ort um diese weiterzuführen. Hinzukommt, dass sich Menschen außerhalb der Universität wohl eher mal einen interessant und ansprechenden Blogeintrag zu einem wissenschaftlichen Thema durchlesen, als in einer Fachzeitschrift nachzuschauen, an die man ja eh nicht so einfach rankommt. Komplizierte Sachverhalte könnten auf den Blogs dargestellt werden und so den Zugang zur Wissenschaft vereinfachen. Das finde ich einen wirklich sehr guten Gedanken. Ich glaube, dass wirklich lustig und verständlich geschriebene Blogs hohe Leserzahle haben können. Hier ein Link zu dem Thema

Andererseits haben die Dozenten ja nicht einmal Zeit Seminararbeiten und Klausuren zu bewerten. Woher sollen sie dann zu Zeit nehmen um regelmäßig zu bloggen? Denn davon lebt ja ein Blog. Von wirklich regelmäßigen ansprechenden Beiträgen. Dazu kommt noch, dass sich der ein oder andere Dozent ja gern etwas wichtiger nimmt als er eigentlich ist und dann spontan „Blogwissen“ in der Klausur abfragt. Den Protest der Studierenden kann ich mir jetzt schon vorstellen 😀

Wenn man sich tatsächlich auf das Gedankenexperiment einlässt würde ich voraussagen, dass Blogs von Professoren nur in Verbindung von dem „mooc-Gedanke“ wirklich funktionieren würde. Interaktives Lehren und Lernen würde so wahrscheinlich allen Spaß machen und von Nutzen sein. Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Leute die Blogs regelmäßig nutzen würden, obwohl ich von den Vorteilen mittlerweile überzeugt bin! Ich werde mich in den Ferien wohl auf die Suche nach Professoren Blogs machen.

Studentenblogs von und für Studenten kann ich mir auch wirklich gut vorstellen. Zwar nicht in dem Ausmaß, dass JEDER Student bloggt, sondern es einige wirklich talentierte junge Studenten tun, die über das tägliche Uni Leben berichten. Dadurch kann man sich zum Beispiel Tipps holen die einem Entscheidungen erleichtern. Grade in sehr großen Unis herrscht ja eine gewisse Anonymität in der man sich etwas verloren vorkommen könnte.

Die Blogparade fand ich wirklich sehr spannend. Jedoch wird es sicherlich noch etwas dauern bevor zu den typischen Angaben in einer ersten Veranstaltung im Semester neben Name, E-Mail und Sprechzeit des Dozenten der Blogname mit aufgeführt wird.

Politiker sollten meiner Meinung nach nicht bloggen. Nicht weil ich es nicht wichtig finde, dass diese Hintergründe und Einblick in den politischen Alltag geben, sondern weil Politiker (hoffentlich) zeitlich stark ausgelastet sind und die Werbung für die eigene Person bzw. Partei wohl sehr präsent sein würde. Es würde für mich persönlich keinen Sinn machen den Blog eines Politikers zu lesen, der den Selben Inhalt 3 Tage zuvor in einer Talkshow durchgekaut hat.

Ob nun die Steuerberater, Erzieher und so weiter bloggen sollen kann ich nicht beantworten. Wenn sie dies tun wollen dann ist das ihr gutes Recht. Lesen werden diese Blogs jedoch die wenigsten.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Themenblock 2: Cool, mein Professor bloggt!

  1. Pingback: Von einer bloggenden Welt und Blogger-Disziplin | SOOC13/14

  2. Hallo Lisa, wie du in deinem Post bereits erklärt hast könnte aus der Sicht der Professoren/innen Zeitmangel und die Angst, dass Leser sich Inhalte zu eigen machen könnten, Argumente gegen das Bloggen sein. Meines Erachtens kann das Bloggen allgemein in zwei Richtungen gehen, entweder man postet eben ab und zu ein paar Beiträge einfach ‚aus Spaß‘ und um Kontakt zu einer Community herzustellen oder aber man nimmt es eben doch sehr ernst und versucht regelmäßig inhaltlich hochwertige Posts zu veröffentlichen, natürlich auch um sich mit anderen auszutauschen. Letzteres ist eben nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich und organisatorisch ein großer Aufwand. Eine Möglichkeit die mir einfällt wäre beispielsweise, dass nicht nur ein/e einzelner Professor/in bloggt, sondern ein ganzes Institut. (natürlich müssen verschiedene Autoren ganz klar gekennzeichnet werden) Dadurch könnten regelmäßig Beiträge veröffentlicht werden, ohne dass der (zeitliche) Druck nur auf einer Person lastet. Wenn diese dann auch noch aus Lesersicht gut und nicht zu lang geschrieben und optisch ansprechend gemacht sind, steigen die Chancen auf einen regen fachlichen Austausch, nicht nur zwischen Wissenschaftlern sondern eben auch mit und unter Studenten. Meiner Meinung nach ist das wissenschaftliche Bloggen ein sinnvoller und in der Zukunft notwendiger Schritt. Wenn ein/e Professor/in die ‚Kunst des Bloggens‘ beherrscht und dadurch ein aktives Publikum anzieht, ist es am Ende eine win-win-Situation für alle!
    Hier findest du noch eine kleine Liste mit Blogs von Professoren, vielleicht findest du ja den ein oder anderen interessant 😉
    http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/16/bloggende-professoren-die-liste/

  3. Ich blogge neben Werbung für Projekte wie den SOOC oder Calls for Papers vor allem über DInge, die nirgends anders hinpassen. Für viele Dinge gibt es andere Stellen: Forschungsergebnisse gehören in Konfernz- oder Zeitschriftenpapers oder wenigstens zitierfähig als Forschungsreport in eine Open Access Datenbank (solange es noch Personen gibt, die Blogartikel generell für unwissenschaftlich halten, mache ich da keine Expoerimente), Skripte gehören auf die Lehrveranstaltungswebseite (bei uns übrigens auch mit WordPress als CMS dahinter) oder ins Uni-LMS. Aber wenn ich mich über die Ignoranz von Politikern gegenüber OER aufrege (http://anjalorenz.wordpress.com/2012/12/16/sachsen-und-oer-nette-idee-aber-die-politik-ist-wohl-noch-nicht-so-weit/) oder darüber, dass die VG Wort überhaupt nicht zu digitalen Publikationsmöglichkeiten von heute passt (http://anjalorenz.wordpress.com/2013/08/26/l3t-2-0-das-internet-ist-neuland-zumindest-fur-die-vg-wort/), dann gibt es kaum einen schnelleren und passenderen Weg. Klar kann man sagen: „Na Du kannst es auch einfach für Dich behalten.“, aber warum, wenn sich dahinter ebenfalls Erkenntnisse verstecken, die Anderen helfen könnte. Bspw. habe ich erst ewig gesucht, um bei den Regelungen der VG Wort halbwegs durchzusteigen. Dann haben wir oft mit denen telefoniert. Und das alles im „Auftrag der Wissenschaft“ bzw. für die Publikation der zweiten Auflage von L3T. Andere könnten bei ihren Recherchen auf mich stoßen, zudem könnten mich Leser auf Fehler in meiner Argumentation hinweisen. Win-win. Und letzendlich ist das befriedigende Gefühl nicht zu vernachlässigen, wenn man derart seltsame Geflogenheiten ans Internet „verpetzen“ kann.

    „Als weiteren Einwand gegen diese Vorstellung spricht sicherlich auch die Angst einiger Dozenten ihre geistigen Inhalte einfach so im Netz zu teilen. Manche meiner Dozenten laden aus gewissen Gründen nicht einmal ihre Vorlesungsfolien ins Internet.“
    Das mögen Dozenten so sagen, aber (1) sind Vorlesungsfolien in der Regel Zusammenstellungen aus verschiedenen Quellen, die Angst zur Veröffentlichung basiert meist darauf, dass sie selbst nur schlampig referenziert haben und (2) könnte man argumentieren, dass mit der Bereitstellung von Lehrmaterialien die Wissenschaftler denjenigen etwas zurückgeben, die sie bezahlt haben: die Steuerzahler. Es geht nicht darum, neueste Forschungserkenntnisse vor der Publikation freizugeben. Aber das passiert in einer Vorlesung ohnehin selten…

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